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Was ist Vaterschaftsurlaub? Überblick für Arbeitgeber
Globales HR
Autor
Das Deel-Team
Letzte Aktualisierung
28 Januar, 2026

Table of Contents
Wer hat Anspruch auf Vaterschaftsurlaub?
Vaterschaftsurlaub und andere Arten von Urlaub
Ist Vaterschaftsurlaub gesetzlich vorgeschrieben?
Wird Vaterschaftsurlaub bezahlt?
Vaterschaftsurlaub global verwalten mit Deel
Das Wichtigste in Kürze
- Vaterschaftsurlaub ist der gesetzlich geregelte Anspruch von Vätern auf eine kurzzeitige Freistellung von der Arbeit rund um die Geburt ihres Kindes, meist mit dem Ziel, Mutter und Kind in den ersten Tagen aktiv zu unterstützen.
- Der Vaterschaftsurlaub stärkt die Vater-Kind-Bindung, entlastet die Mutter und fördert eine partnerschaftliche Aufgabenteilung in der Familie – auch langfristig.
- In Deutschland soll zusätzlich zur Elternzeit und unabhängig vom Elterngeld ein zweiwöchiger bezahlter Vaterschaftsurlaub direkt nach der Geburt eingeführt werden. Das Vorhaben wurde aber bisher nicht umgesetzt.
Vaterschaftsurlaub bezeichnet die Freistellung von Vätern oder gleichgestellten zweiten Elternteilen rund um die Geburt eines Kindes. Ziel ist es, die Familie in der sensiblen Anfangsphase zu unterstützen, die Vater-Kind-Bindung zu stärken und eine partnerschaftliche Aufteilung der Betreuung zu fördern.
Wie dieser Urlaub ausgestaltet ist, unterscheidet sich jedoch erheblich von Land zu Land. Während einige Staaten einen gesetzlich geregelten, bezahlten Vaterschaftsurlaub vorsehen, existieren in anderen Ländern lediglich Elternzeitmodelle oder freiwillige Unternehmensregelungen. Dauer, Vergütung und Anspruchsvoraussetzungen hängen daher sowohl von den nationalen arbeitsrechtlichen Vorgaben als auch von den internen Richtlinien des Arbeitgebers ab.
Für Unternehmen – insbesondere mit internationaler Belegschaft – ist es deshalb entscheidend, die Unterschiede zwischen Vaterschaftsurlaub, Elternzeit und anderen familienbezogenen Freistellungen genau zu kennen. Nur so lassen sich gesetzliche Vorgaben einhalten, faire Benefits anbieten und Risiken im Arbeitsrecht vermeiden.
Wer hat Anspruch auf Vaterschaftsurlaub?
Anspruch auf Vaterschaftsurlaub haben in der Regel leibliche Väter, damit sie ihrer Vaterrolle gerecht werden können. In bestimmten Ländern und in bestimmten Unternehmen können auch Adoptivväter (einschließlich Pflegeeltern, die eine Adoption anstreben) Vaterschaftsurlaub beantragen.
Wenn die Möglichkeit von Vaterschaftsurlaub nicht staatlich vorgeschrieben ist, liegt die Entscheidung hierüber in der Verantwortung des Unternehmens. Unternehmen können unter bestimmten Bedingungen Vaterschaftsurlaub in Form von unbezahltem oder bezahltem Sonderurlaub anbieten. Je nach Land und Unternehmensrichtlinie können dabei unter anderem folgende Faktoren eine Rolle spielen:
- Die Dauer der Beschäftigung des betreffenden Arbeitnehmers im Unternehmen
- Die Beiträge des Arbeitnehmers zu bestimmten gesetzlichen Versicherungsleistungen wie etwa Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
- Die Anzahl der Beschäftigten des Unternehmens
- Eine angemessene Kündigungsfrist für den beantragten Urlaub
- Ein Schwangerschafts- oder Adoptionsnachweis
Unternehmen bemühen sich mitunter auch darum, eine Kompromisslösung mit werdenden Vätern zu finden. Arbeitgeber können beispielsweise zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Möglichkeit bieten, in Teilzeit von zuhause aus zu arbeiten, damit der Vater seinen elterlichen Sorgepflichten nachkommen und die Bindung zu seiner Familie stärken kann.
Vaterschaftsurlaub und andere Arten von Urlaub
Je nach gesetzlichen Rahmenbedingungen und unternehmensinternen Regelungen bieten Arbeitgeber frischgebackenen Eltern unterschiedliche Arten der Beurlaubung. Diese Regelungen für Elternurlaub unterscheiden sich voneinander und ändern sich fortlaufend.
Vaterschaftsurlaub und Mutterschaftsurlaub
Die genehmigte Arbeitsabwesenheit einer Frau kurz vor der Entbindung oder nach dem Geburtstermin nennt man Mutterschaftsurlaub. Mutterschaftsurlaub ist in der Regel an Schwangerschaft und Geburt gebunden; bei Adoptionen gelten in vielen Ländern stattdessen Regelungen zum Eltern- oder Adoptionsurlaub.
Mutterschaftsurlaub (sowohl bezahlt als auch unbezahlt) kommt häufiger vor als Vaterschaftsurlaub. Von Müttern wird häufig erwartet, dass sie sich von der Geburt eines Kindes erholen und Zeit für die medizinische Nachsorge nach der Entbindung haben.
Vaterschaftsurlaub und Elternurlaub
Elternurlaub ist etwas anderes als Vaterschaftsurlaub. Die Leistung steht in diesem Fall beiden Elternteilen zu. Vaterschaftsurlaub ist dagegen für Väter vorgesehen. Regelungen zum Elternurlaub sind in der Regel fortschrittlicher und inklusiver, auch wenn sie keinen bezahlten Elternurlaub bieten.
Im Rahmen einer geschlechtsneutralen Regelung für Familienurlaub bieten fortschrittliche Arbeitgeber möglicherweise Elternurlaub anstelle von Vaterschaftsurlaub an. Der Urlaubsanspruch gilt dann mitunter auch für alleinerziehende Väter, gleichgeschlechtliche Paare, trans Personen und andere Personen, die von den gesetzlichen Bestimmungen ausgeschlossen sind. Bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften hat dann auch der nicht gebärende oder zweite Elternteil als Betreuungsperson Urlaubsanspruch.
Compliance
Ist Vaterschaftsurlaub gesetzlich vorgeschrieben?
Es gibt keine weltweite gesetzliche Regelung für Vaterschaftsurlaub. In den USA gibt es selbst in einzelnen Bundesstaaten unterschiedliche Regelungen zum Vaterschaftsurlaub. Mit dem Gesetz über Familien- und Krankenurlaub (Family and Medical Leave Act, FMLA) existiert jedoch ein Bundesgesetz, das einen familienbezogenen Anspruch auf unbezahlten Urlaub vorsieht.
Das FMLA schreibt vor, dass Vollzeitbeschäftigte in Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten gesetzlichen Anspruch auf bis zu zwölf Wochen unbezahlten Urlaub haben, um sich um ein neugeborenes Kind oder ein Familienmitglied zu kümmern. Da es sich in diesem Fall um unbezahlten Urlaub handelt, ziehen es viele Väter vor, zu arbeiten, um Einkommensausfälle zu vermeiden. Bundesbedienstete haben Anspruch auf bis zu zwölf Wochen bezahlten Urlaub sowohl für Mütter als auch für Väter. Darüber hinaus gibt es in mehreren US-Bundesstaaten Programme für bezahlten familienbezogenen Urlaub, darunter unter anderem Kalifornien, New York, Rhode Island, New Jersey, Connecticut und Oregon.
Im Vereinigten Königreich haben Väter beispielsweise Anspruch auf ein bis zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub. Alle Arbeitnehmerrechte sind in dieser Zeit geschützt. Laut Gesetzgebung muss allerdings nicht der volle Lohn gezahlt werden.
In Deutschland gibt es keine explizite gesetzliche Regelung für einen eigenständigen Vaterschaftsurlaub. Stattdessen ist die Freistellung im Rahmen der Bestimmungen des Gesetzes zum Elterngeld und zur Elternzeit (BEEG) für beide Elternteile geregelt. Frischgebackene Väter in Elternzeit erhalten nach der Geburt des Kindes bis zu 14 Monate lang – abhängig von der gewählten Aufteilung – Basiselterngeld, Elterngeld Plus oder eine Kombination aus beidem. Teilzeitbeschäftigte können die Dauer der Elternzeit mit dem sogenannten Partnerschaftsbonus verlängern. In dieser Zeit besteht ein gesetzlicher Kündigungsschutz.
Auch in der Europäischen Union gibt es rechtliche Vorgaben zum Vaterschaftsurlaub. Die EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (EU-Vereinbarkeitsrichtlinie) sieht für Väter oder gleichgestellte zweite Elternteile einen Anspruch auf mindestens zehn Arbeitstage rund um die Geburt eines Kindes vor (sogenannte Familienstartzeit). Die Umsetzung dieser Richtlinie obliegt den einzelnen Mitgliedstaaten.
2022 leitete die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland ein, da die Vereinbarkeitsrichtlinie zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig umgesetzt war. Eine eigenständige gesetzliche Neuregelung in Form eines Vaterschaftsurlaubs als Ergänzung zur bestehenden Elternzeit gibt es bislang jedoch nicht. Auch der Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung enthält keine konkrete Regelung zur Einführung einer Familienstartzeit für Väter oder Partner.

Wird Vaterschaftsurlaub bezahlt?
Sofern gesetzliche Bestimmungen keinen bezahlten Vaterschaftsurlaub vorschreiben, liegt es im Ermessen des Arbeitgebers, zu entscheiden, ob Vaterschaftsurlaub bezahlt oder unbezahlt ist.
In vielen Ländern, etwa im Vereinigten Königreich oder Spanien, ist die Gewährung von Vaterschaftsurlaub gesetzlich geregelt, wobei die Vergütung je nach Land unterschiedlich ausgestaltet sein kann und teilweise nur in Form einer staatlich festgelegten Leistung erfolgt.
Wie hoch ist die Bezahlung während des Vaterschaftsurlaubs?
Die Höhe des Gehalts, das Beschäftigte während ihres Vaterschaftsurlaubs erhalten, hängt von den vor Ort geltenden gesetzlichen Bestimmungen und den Richtlinien des Unternehmens ab. In den meisten Fällen ist das Vaterschaftsgeld ein prozentualer Anteil des bisherigen Gehalts des Arbeitnehmers. Es kann aber auch als Pauschalbetrag ausgezahlt werden.
Im Vereinigten Königreich erhalten Beschäftigte während des zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs eine gesetzlich festgelegte Vergütung, die sich am durchschnittlichen Wocheneinkommen orientiert und einer jährlichen Obergrenze unterliegt. In Spanien haben Arbeitnehmer während des gesetzlich vorgesehenen Vaterschaftsurlaubs Anspruch auf eine vollständige Lohnersatzleistung im Rahmen der Sozialversicherung.
Wer bezahlt das Vaterschaftsgeld?
Die für die Zahlung des Vaterschaftsgelds zuständige Stelle hängt von den vor Ort geltenden gesetzlichen Bestimmungen und den Richtlinien des Unternehmens ab. In einigen Fällen erfolgt die Zahlung durch staatliche Stellen im Rahmen der Sozialversicherung. In anderen Fällen übernimmt der Arbeitgeber die Vergütung direkt. Teilweise kommen auch kombinierte Modelle aus staatlichen Leistungen und Arbeitgeberzahlungen zum Einsatz.
Vaterschaftsurlaub global verwalten mit Deel
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Haftungsausschluss: Die Informationen in diesem Beitrag werden in gutem Glauben und nur zu allgemeinen Informationszwecken bereitgestellt. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der in diesem Beitrag enthaltenen Informationen.
FAQs
Was passiert, wenn ein Vater in einem anderen Land lebt als der Unternehmenssitz?
In diesem Fall gelten grundsätzlich die arbeitsrechtlichen Vorschriften des Landes, in dem der Mitarbeitende ansässig ist. Unternehmen müssen daher die lokalen Regelungen zum Vaterschafts- oder Elternurlaub des Beschäftigungslandes einhalten.
Kann Vaterschaftsurlaub mit Elternzeit kombiniert werden?
In vielen Ländern ist eine Kombination möglich, sofern gesetzliche Fristen und Antragsvorgaben eingehalten werden. Ob der Urlaub direkt aufeinanderfolgend oder zeitlich getrennt genommen werden kann, hängt von der jeweiligen nationalen Regelung ab.
Welche Risiken entstehen, wenn Vaterschaftsurlaub falsch gehandhabt wird?
Fehler bei Genehmigung, Vergütung oder Fristen können zu arbeitsrechtlichen Ansprüchen, Bußgeldern oder Diskriminierungsvorwürfen führen. Besonders bei international beschäftigten Mitarbeitenden ist eine korrekte Einordnung der lokalen Gesetzgebung entscheidend.
















